Feierlicher Abschluss: Der Staffelstab ist weitergereicht

Die Zukunft des Wrangelkiezes wurde symbolisch in neue Hände gelegt. Zum feierlichen Abschluss seiner mehr als 16-jährigen Arbeit hat das Quartiersmanagement am 24. September 2015 die Staffelstäbe an all diejenigen übergeben, die künftig den Stadtteil voranbringen werden.


Fotos: Sabine Münch

Weit über 100 geladene Gäste kamen zur offiziellen Abschlussveranstaltung in das Zelt des Circus Schatzinsel. Nicht nur Landes- und Bezirkspolitiker, Vertreter aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und aus dem Bezirksamt, Kooperationspartner von Schulen, Kitas und aus der Wirtschaft, frühere Mitarbeiterinnen des Quartiersmanagements und Kollegen aus den anderen Kreuzberger Quartieren waren der Einladung gefolgt. Auch die vielen engagierten Bewohnerinnen und Bewohner, ohne deren langjährige konstruktive und kritische Mitarbeit das Quartiersmanagement keinen Erfolg gehabt hätte, waren zahlreich erschienen.

„Wir hatten eigentlich vorgesehen, die Highlights seit 1999 in zehn Minuten vorzustellen“, sagte Quartiersmanagerin Emine Başaran. Weil das aber ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, verzichtete sie darauf und sprach allen Beteiligten den Dank des QM-Teams aus. Höhepunkt des Abends war die Übergabe der Staffelstäbe. Weil die Aufgaben, die bisher das Quartiersmanagement wahrgenommen hat, künftig auf mehreren Schultern ruhen, wurde nicht nur ein Staffelstab weitergereicht. Man brauchte gleich fünf davon.

Der erste Stab wurde – wie es sich in einem Zirkus gehört – mit Trommelwirbel und Tusch an das Familien- und Nachbarschaftszentrum übergeben. Ab Oktober wird das Haus in der Cuvrystraße das Quartiersbüro als Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement ablösen.

Die zweite Staffel ging an die Bildungsinitiative, in der sich Schulen, Kitas und andere Bildungseinrichtungen aus dem Wrangelkiez zusammengeschlossen haben. Sie wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass die Bildung als Motor die Kiezentwicklung vorantreibt.

Den Staffelstab Nummer drei bekam der WrangelkiezRat in die Hand gedrückt. Der vor einem Jahr gegründete Verein will das ehrenamtliche Engagement bündeln und stärken. Zum Beispiel organisiert der WrangelkiezRat die „Creative meets social“-Veranstaltungen, bei der junge kreative Betriebe, die sich in den letzten Jahren im Wrangelkiez angesiedelt haben, mit sozialen Einrichtungen, die Unterstützung brauchen, zusammengebracht werden. Und für diese Aufgabe wurde der Kreativwirtschaft auch gleich der vierte Staffelstab überreicht.

Den fünften und letzten Staffelstab gab schließlich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt an den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg weiter. Mit dem Ausscheiden aus dem Programm Soziale Stadt ist der Senat nicht mehr direkt an der Entwicklung des Wrangelkiezes beteiligt. Stattdessen ist nun der Bezirk federführend. „Das Quartiersmanagement im Wrangelkiez hat gezeigt, das man eine Menge gemeinsam erreichen kann“, sagte Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Es wird auch in Zukunft im Wrangelkiez nicht langweilig werden, weil sich hier immer etwas entwickelt.“ Lütke Daldrup versicherte, dass sich der Senat nicht komplett zurückziehen wird: „Wir haben auch weiterhin gemeinsam Aufgaben zu lösen.“ Monika Herrmann, die als Bezirksbürgermeisterin den Staffelstab übernahm, blickt zuversichtlich in die Zeit nach dem Quartiersmanagement: „Wir müssen uns keine Sorgen machen. Wir haben hier eine gute Struktur geschaffen, und die wird auch weiter tragen. Da bin ich mir sicher.“ Probleme sieht sie allerdings durch die derzeitige Mietenentwicklung auf den Kiez zukommen.

Beim gemütlichen Teil des Abends wurde nach einem kleinen Essen anschließend noch bei einem Glas Wein angeregt über fast schon vergessene Debatten der Vergangenheit gesprochen, aber ebenso wurden auch schon neue Pläne für die Zukunft geschmiedet.

Pünktlich zur Abschlussveranstaltung ist die Broschüre Quartiersmanagement Wrangelkiez – Den Stadtteil gemeinsam gestalten erschienen. Sie zieht auf 76 Seiten Bilanz über 16 Jahre Quartiersarbeit. Die Broschüre ist erhältlich im Infocenter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin.

 

Text: Jens Sethmann